Niki Lauda

1949–⁠2019

Erster Teil · Das Leben

Zweiter Teil · Der Mensch

Dritter Teil · Vermächtnis

Die Saisons

Anhang

Nahes Porträt eines jungen Mannes mit zerzaustem Lockenhaar und gerunzelter Stirn, den Kopf gesenkt, den Blick nach oben an der Kamera vorbei; am Hals der gerippte Kragen eines Rennoveralls.

Eine unabhängige Hommage

Niki Lauda

bis

Wien  Nürburgring  Monza  Estoril

Er gewann 25 Grands Prix der Weltmeisterschaft und drei Titel; wenige Wochen nach dem Feuer am Nürburgring fuhr er wieder Rennen; und er führte drei eigene Fluglinien. Sein Leben, erzählt in Bildern, Rennen und seinen eigenen Worten.

Beginnen

Titelbild: Verhoeff, Bert / Anefo · CC0

Motto

Das Rennen ist nur noch der Beweis dafür, daß mit dem Auto alles gestimmt hat, daß wir hundertprozentig vorbereitet waren.

Niki Lauda zitiert in der Titelgeschichte des Spiegel, „‚In meiner Klasse muß ich alle niederbügeln‘“, als er sich seinem zweiten Titel näherte, 25. September 1977

Einleitung

Einleitung

Frontal kommt ein einsitziger Rennwagen mit großem Heckflügel und der Nummer 1 auf der Nase über eine Kuppe auf die Kamera zu; dahinter drängen sich Zuschauer auf einem bewaldeten Hang, rechts steht eine Werbetafel.
Der Ferrari 312T2, Nr. 1, kommt im Juli 1976 in Brands Hatch über eine Kuppe, beim Rennwochenende zum Großen Preis von Großbritannien jenes Jahres, als Wagen des amtierenden Weltmeisters und WM-Spitzenreiters. Smudge 9000 · CC BY 2.0

Der Mann auf dem Titelblatt

Das Foto auf dem Titelblatt entstand am 20. Juni 1975 in Zandvoort, zwei Tage vor dem Großen Preis der Niederlande. Niki Lauda war 26 und fuhr seine zweite Saison für die Scuderia Ferrari, und noch bevor die Saison 1975 zu Ende war, sollte er zum ersten Mal Weltmeister werden.

Geboren wurde er als Andreas Nikolaus Lauda am 22. Februar 1949 in Wien, in eine Industriellenfamilie; sein Großvater Hans Lauda, der die Vereinigung Österreichischer Industrieller als ihr Gründungspräsident geführt hatte, lehnte seine Rennfahrerei rundweg ab. Lauda begann 1968 mit einem Bergrennen. Die Formel 2 bezahlte er mit dem Sponsoring einer Bank, seine erste volle Formel-⁠1-Saison mit einem Bankkredit, für den eine Versicherung auf sein eigenes Leben als Sicherheit diente, und seinen ersten Grand Prix fuhr er im August 1971 auf dem Österreichring.

Er gewann drei Titel, überlebte das Feuer am Nürburgring, kehrte dem Rennsport zweimal den Rücken und gründete noch als aktiver Fahrer eine Fluglinie, Lauda Air. Ab 2012 saß er dem Aufsichtsrat des Formel-⁠1-Teams von Mercedes vor, ohne operative Funktion. Dieses Buch begleitet ihn durch all das: die Saisons Rennen für Rennen, die Menschen und die Wagen, seine eigenen Worte und die anderer.

Die Zahlen

Die Zahlen

WM-Siege
25
1974 · 1975 · 1976 · 1977 · 1978 · 1982 · 1984 · 1985

171 Starts, 1971–⁠1985

WM-Starts
171
Pole-Positions
24
Schnellste Runden
24
Podestplätze
54

Er wurde 176-mal gemeldet1 und erzielte 420,5 Punkte, und nach den Regeln seiner Zeit wurde ihm nie ein Ergebnis gestrichen. Dreimal Weltmeister, einmal Vizeweltmeister.

Die Rekorde

Ein Leben in Kürze

Ein Leben in Kürze, 1949–⁠2019

Das Buch

Inhalt

Jede seiner 12 Saisons von 1972 bis 1985 hat unter den Saisons eine eigene Seite, Rennen für Rennen.

Große Rennen

Große Rennen

Zwei seiner 25 Siege: der erste und der letzte.

Großes Rennen I

Jarama

 · Großer Preis von Spanien · Ferrari 312B3, Nr. 12

Es war erst sein vierter Grand Prix für Ferrari. Er holte die Pole in Jarama, folgte in den ersten Runden im Regen dem Lotus von Ronnie Peterson und lag nach dem Wechsel auf Slicks vorn, wobei die schnellen Boxenstopps seines Teams viel dazu beigetragen hatten. Als nach Ablauf der zwei Stunden abgewinkt wurde, lag er 35,61 Sekunden vor seinem Teamkollegen Clay Regazzoni und hatte die schnellste Runde gefahren. Der 312B3 brachte ihm in jenem Jahr neun Pole-Positions; nach fünf Rennen ohne Punkte zum Saisonende stand er als 4. der Weltmeisterschaft da.

Ein flacher Monoposto mit der Nummer 12, einem hohen Lufteinlass hinter dem Helm des Fahrers und einem breiten Heckflügel fährt an Strohballen und Werbetafeln vorbei; hinter den Ballen stehen einige Zuschauer und ein Fotograf.
Ein 312B3, lackiert wie der Wagen, den Ferrari 1974 für ihn einsetzte, Nr. 12, am Berg des Festival of Speed in Goodwood, 13. Juli 2018; am Steuer ein heutiger Fahrer, nicht Lauda. f1superracer · CC BY 2.0
Sekunden vor Regazzoni
35,61
Pole-Positions 1974
9
Die Saison 1974

Großes Rennen II

Zandvoort

 · Großer Preis der Niederlande · McLaren MP4/2B–⁠TAG, Nr. 1

Drei Fahrer mit Kappen versprühen auf einem Podium vor Sponsorentafeln Champagner: Der Mann in der Mitte richtet seine Flasche nach vorn, der links lacht, der rechts grinst, während seine Flasche überschäumt.
Lauda in der Mitte, zwischen Alain Prost und Ayrton Senna, auf dem Podium in Zandvoort, 25. August 1985. Fotopersbureau De Boer · CC0
  • Startplatz 10
  • Prost 2., Ayrton Senna 3.
  • Sieg mit 0,232 Sekunden Vorsprung

Acht Tage nachdem er angekündigt hatte, zum Saisonende aufzuhören, qualifizierte er sich nur als 10. In Führung kam er, als bei Prosts Boxenstopp eine Radmutter klemmte, und danach holte Prost mehr als eine Sekunde pro Runde auf ihn auf. In den letzten Runden wählte Lauda Linien in die Kurven, die seinem Teamkollegen keinen Platz ließen, und hielt ihn hinter sich. Es war sein 25. Sieg und sein letzter: Im letzten Rennen des Jahres in Adelaide führte er 2 Runden lang, bis seine Bremsen versagten, und danach fuhr er nie wieder ein Rennen.

Die Saison 1985

IV · Der Nürburgring

Er war amtierender Weltmeister und führte die Weltmeisterschaft an. In Runde 2 des Großen Preises von Deutschland 1976 verunglückte sein Ferrari im schnellen Linksknick hinter der Adenauer Brücke, vor dem Bergwerk, und fing Feuer. Mehrere Fahrer, die angehalten hatten, und ein Streckenposten zogen ihn heraus; Arturo Merzario öffnete seine Gurte. Von der Strecke wurde er nach Adenau gebracht, dann weiter nach Mannheim, und er erhielt die Letzte Ölung.

Das Kapitel über den Nürburgring

V · Monza und Fuji

Zurück nach 42 Tagen

Ich habe die Weltmeisterschaft nicht in Japan verloren, ich habe sie am Nürburgring verloren und dadurch, dass ich zwei Rennen verpasst habe … Jedenfalls habe ich mich gefreut, dass James sie gewonnen hat. Er war mein Kumpel.

Niki Lauda zugeschrieben, zitiert nach Goodwood Road & Racing
Monza und Fuji, 1976

Die drei Titel

Drei Titel

Startplatz, Estoril, 21. Oktober 1984
11
Im Ziel, und der Titel
2

Der erste kam im Ferrari 312T, mit fünf Siegen und neun Pole-Positions. Sein 3. Platz in Monza am 7. September 1975 entschied ihn ein Rennen vor Schluss, und es war Ferraris erster Fahrertitel, seit John Surtees ihn 1964 gewonnen hatte. In Watkins Glen einen Monat später, als es nichts mehr zu gewinnen gab, gewann er trotzdem.

Den zweiten gewann er, indem er ins Ziel kam. 1977 siegte er dreimal, in Kyalami, Hockenheim und Zandvoort, und stand in 10 seiner 14 Rennen auf dem Podium. Am 2. Oktober machte ihn ein 4. Platz in Watkins Glen erneut zum Weltmeister, zwei Rennen vor Schluss; Jody Scheckter wurde Vizeweltmeister. Da war schon bekannt, dass er zu Brabham wechseln würde, und er fuhr nie wieder für Ferrari.

Der dritte war der schwerste. 1984 war Prost sein Teamkollege, und Lauda steckte seine Kraft in die Rennen statt in die Qualifikation. In Estoril, beim letzten Lauf, startete er als 11., und wenn Prost gewann, musste er 2. werden. Prost gewann. Lauda arbeitete sich nach vorn, und als Nigel Mansell, im Lotus auf Platz 2, mit versagenden Bremsen ausfiel, gehörte der Platz ihm. Er hatte den Titel, mit 72 zu 71,5 Punkten. Der halbe Punkt ging auf den Juni zurück, als das verregnete Rennen in Monaco vorzeitig abgebrochen wurde und Prosts Sieg dort nur 4,5 Punkte zählte.

VII · Die Fluglinien

Lauda Air, Niki und Laudamotion

Sein erstes Flugzeug kaufte er 1977, und 1979, noch als Fahrer für Brabham, gründete er Lauda Air; ihre ersten beiden Maschinen, gebrauchte Turboprops vom Typ Fokker F27, flogen Urlauber ans Mittelmeer. Nach seinem letzten Rennen baute er sie zu einer Langstreckenfluglinie aus, mit Boeing 767 nach Bangkok, Hongkong und Sydney, und er flog ihre Jets selbst. Ab 2003 folgte Niki, ab 2016 Laudamotion.

Flug 004 der Lauda Air stürzte am 26. Mai 1991 in Thailand ab, kurz nach dem Start in Bangkok; alle 223 Menschen an Bord kamen ums Leben. Die thailändischen Ermittler nannten als wahrscheinliche Ursache die Schubumkehr des linken Triebwerks, die sich im Flug ausgefahren hatte, ohne dass sie ausgelöst worden war; warum, wurde nie geklärt, und sie fanden keine Wartungsmaßnahme der Lauda Air, die es verursacht hätte. Lauda setzte sich öffentlich dafür ein, dass Boeing den Fehler anerkannte. Ein 2026 erschienenes Buch, das sich auf die Akten einer Wiener Staatsanwaltschaft stützt, vertritt die Ansicht, dass auch die Wartung der Fluglinie Schuld trug. Im Rückblick sagte er 2009: „Wenn mehr als 200 Menschen ein Ticket für meine Fluglinie kaufen und nicht zurückkommen, ist das völlig inakzeptabel“.

Die Fluglinien

IX · Rivalen und Freunde

Lauda & Hunt

Freunde seit ihren Jahren in den Nachwuchsformeln in London, und die beiden Männer des Jahres 1976.

LaudaHunt
48Vor dem anderen im Ziel, von 8636
2., 68Titel, 1976Weltmeister, 69
Ausf.Fuji, 19763.

1998, nach Hunts Tod, sagte Lauda über ihn: „Als er 1976 die Weltmeisterschaft gewann, hatte er ein weniger konkurrenzfähiges Auto als das, das ich fuhr“.

Lauda und Hunt

IX · Rivalen und Freunde

Lauda & Prost

Ich war für Niki wie ein Hase.

Alain Prost gegenüber Adam Cooper, Motor Sport, Oktober 2014

Der Jüngere war über eine Runde schneller; der Ältere gewann den Titel. 1984 und 1985 Teamkollegen bei McLaren, blieben sie Freunde.

LaudaProst
1Vor dem anderen qualifiziert, 198415
5Siege, 19847
14Punkte, 198573
Lauda und Prost

X · In seinen Worten

In seinen Worten

Dafür werde ich bezahlt, und das muss ich liefern.

Niki Lauda gegenüber Simon Arron, Motor Sport, „Breakfast with… Niki Lauda“, November 2017
Mehr in seinen Worten

Was andere sagten

Was andere sagten

Wie jeder im Formel-⁠1-Rennsport weiß: Unterschätze niemals Niki Lauda … und wenn man merkt, dass sich die Führenden nicht von ihm absetzen und er Dritter liegt, muss man auf alles gefasst sein.

Denis Jenkinson Bericht vom Großen Preis von Österreich 1984, zitiert nach Motor Sport, 27. Juni 2019
Was andere über ihn sagten

XI · Die Maschinen

Von March bis McLaren

1971–⁠1972
Vier March-Wagen: der 711, 721, 721X und 721G
1973
Der BRM P160
1974–⁠1977
Ferrari 312B3, 312T und 312T2
1978–⁠1979
Brabham BT45C, BT46, BT46B und BT48
1982–⁠1985
McLaren MP4/1B, 1C, 1E, MP4/2 und 2B
In Farbe: Nahansicht der Flanke eines roten Ferrari unter einer weißen Cockpitumrandung, mit „Niki Lauda“ in weißer Schreibschrift, einem schwarzen Spiegel und Zierlinien.
Sein Name in Schreibschrift an der Cockpitseite eines Ferrari 312T in den Farben von 1975, gezeigt in Goodwood im Juli 2024; die Aufnahme zeigt nur den Wagen. Mark Wordy · CC BY 2.0

In acht dieser Wagen gewann er Grands Prix, in keinem öfter als im 312T: sieben Siege aus 15 Starts. Von seinen 24 Pole-Positions holte er 23 in Ferraris und eine, 1978 in Kyalami, in einem Brabham. Der Wagen, den er am häufigsten fuhr, war der 312T2, und in einem 312T2 verunglückte er am Nürburgring.

Die Maschinen

XIV · Vermächtnis

Wien, 29. Mai 2019

Am 29. Mai wurde er im Stephansdom aufgebahrt, sein Helm auf dem geschlossenen Sarg, als erster Sportler, dem dort diese Ehre zuteilwurde.

Vermächtnis

Anmerkungen

  1. Er war für 176 Grands Prix gemeldet und startete zu 171. Den Großen Preis von Österreich 1973, den von Spanien 1977, den von Deutschland 1982 und den von Belgien 1985 versäumte er wegen Verletzungen, und in Monaco 1983 scheiterte er in der Qualifikation. In Montreal 1979 fuhr er seine einzigen Runden im Freitagstraining, deshalb zählt dieses Rennen nicht zu seinen Meldungen. ↑

Quellen

  • F1DB, Release v2026.16.0: Meldungen, Starts, Ergebnisse, Startplätze, Poles, schnellste Runden, Punkte und Tabellenstände. github.com

  • formula1.com, Ergebnisarchiv, 1973–⁠1985. formula1.com

  • Jolpica F1 API, Saisonergebnisse 1971–⁠1985: die direkten Vergleiche mit Hunt und Prost. api.jolpi.ca

  • ChicaneF1 und die Renndatenbank von grandprix.com: die Wagen, Rennen für Rennen. grandprix.com

  • Austria-Forum (AEIOU), „Lauda, Nikolaus“: die Familie und Hans Lauda. austria-forum.org

  • Richard Williams, „Niki Lauda obituary“, The Guardian, 21. Mai 2019. theguardian.com

  • Rennberichte in Motor Sport: „The Spanish Grand Prix: Ferrari dominates“ und „Notes on the cars at Jarama“ (Juni 1974); zum Großen Preis von Deutschland (September 1976); „Another McLaren double“ (November 1984); „Dutch Grand Prix — Quite a race“ (Oktober 1985). motorsportmagazine.com

  • Eric Dymock, „Niki Lauda badly injured in German Grand Prix“, The Guardian, 2. August 1976. theguardian.com

  • Motor Sport: Niki Lauda, „Niki Lauda remembers James Hunt: ‚One hell of a guy‘“ (Januar 1998); Alan Henry, „Niki Lauda: The years of the Rat“ (März 2009); Adam Cooper, „I never considered early on that Niki could beat me to the championship. That was a mistake!“ (Oktober 2014); Simon Arron, „Breakfast with… Niki Lauda“ (November 2017); Graham Keilloh, „‚Never underestimate Niki Lauda‘: the 1984 Austrian F1 Grand Prix“ (27. Juni 2019), mit einem Zitat aus Denis Jenkinsons Bericht von 1984. motorsportmagazine.com

  • Goodwood Road & Racing, „Hunt vs Lauda: great rivals, better friends“. goodwood.com

  • „‚In meiner Klasse muß ich alle niederbügeln‘“, Der Spiegel 40/1977, 25. September 1977. spiegel.de

  • Industriemagazin (APA), „Niki Lauda ist tot“, 21. Mai 2019, mit der APA-Chronologie seiner Fluglinien; Austria-Forum (AEIOU), „Lauda Air Luftfahrt AG“; aeroTELEGRAPH, „Wie Niki Lauda Airline um Airline gründete“, 2024. industriemagazin.at, austria-forum.org, aerotelegraph.com

  • Aircraft Accident Investigation Committee of Thailand, Bericht über die Boeing 767-300ER OE-LAV der Lauda Air, 21. Juli 1993. rvs-bi.de

  • Niklas Varga, „Lauda Air Absturz: Fehler lag auch bei Airline“, noe.ORF.at, 26. Mai 2026, über Patrick Hubers Buch. noe.orf.at

  • ORF.at, „Formel-⁠1-Legende Niki Lauda ist tot“, 21. Mai 2019: die Lungentransplantation. orf.at

  • ORF, „Stephansdom: Abschied von Niki Lauda“, 29. Mai 2019. orf.at

  • „Stephansdom: Lauda als erster Sportler aufgebahrt“, Kleine Zeitung, 29. Mai 2019. kleinezeitung.at